Liebe Rebel*innen

Mit 40 Querdenker*innen sind wir am 5. April bei der We.Series #2 der Frage nachgegangen, was und wie wir (ver-)lernen müssen, um emphatisch und selbstbewusst in die Welt zu wirken. Mit einigen Wiederholungstätern und vielen neue Menschen.

Das freut und stärkt uns in unserer Mission #unüblicheVerdächtige in #guteVerbindung zu bringen. Zunächst mal mit sich selbst – wozu Momente der Stille, eine Traumreise zum eigenen Kind, Reflektionsimpulse und ein „Shake-Off“ leichtfüssig eingeladen haben. Und darüber in eine feinere und kreativere Verbindung mit anderen. Hat gut funktioniert finden wir.

In Open Spaces von Hochschulen, die ihre Stadt transformieren. Von Unternehmen, die „FutureMinds“ fördern und „Emotionswerkstätten“ benötigen. Von Pionieren, die „radical honestly“ gefragt haben „Wer bin ich eigentlich?“ (wobei wunderbare Berufsbildkreationen entstanden sind und ein gemeinsamer Nenner: #wirsindnichtalgorithmisierbar)

Also, was gilt es nun zu Lernen um unsere volles Potential als Akteure des Wandels zu entfalten?

Wahrscheinlich nicht noch mehr Inhalte. #Tiefers Zell-Lernen ist angesagt, meinte eine Teilnehmerin. Das geht am Besten über Erleben. Und wird durch reflektieren zu bewusster Erfahrung. Macht man das gemeinsam, ist man schon ganz nah dran am #NeuenMiteinander.

Das hatte bei der We.Series seinen Ausdruck in Flow-Momenten (man hörte sogar von „Gänsehaut“), in artikulierter Unsicherheit, die da sein durfte und in unverhofften Moment der Herzensberührung. Danke dafür!

Und unsere Zellen lernen von den Zwischentönen. Auch den schrägen. Der gemeinsame Check-Out-Song ist von nun an gesetzter Agendapunkt :)! In diesem Sinne: Froh zu sein Bedarf es wenig (…im Zweifel hilft ein We.Series-Sommerfest / 18. Juli / Save the date)… gehabt euch wohl und liebe Grüße,

Florian (Dennig) & Miriam (Wolf) vom Alpensalon

Welche neuen Ansätze von Wirtschaft & Arbeit zeichnen Wege in eine schöne Zukunft? Welche neuen Denk-, Fühl- und Handlungsräume ermöglichen uns diese mitzugestalten? Hm. Die Zukunft ist die Zukunft – und damit jeder ein Pionier.

Wir haben Ideen, keine Antworten. Und gestalten leidenschaftlich gerne Formate zum gemeinsamen Experimentieren. Mit dem Auftakt der CHANGE REBELS SERIES am 23.11. haben PurposeTeams und der Impact Hub München genau dazu gut 60 Wandelmacher zusammengebracht (Impressionen gibt es hier).

ERLEBNISRÄUME/ DIMENSIONEN

Eine spannende Runde an Beziehungsgestaltern und Musterbrechern aus KMU, Konzern, Wissenschaft und Kreativwirtschaft, die ein Nachmittag lang ihre Erfahrung und Gaben eingebracht haben.

Mit Momenten der Stille und Verbindung, der Lebendigkeit und Interaktion. Mit der Suche nach gemeinsamen Fragen. Und einem teils verletzlichen Stell-Dich-Ein mit unseren eigenen Sehnsüchten.

Mit berührenden, weil ehrlichen, Impulsen von Anna (Heartwire), die ihr Erleben von guter Wut und produktiver Sehnsucht mit uns teilte. Reza (BMW), der von seinem Versuch eines „Reboots der inneren Bilder“ in Unternehmen berichtete. Und Lara (13RUGS), die uns auf ihrer Reise als Gründerin eines nachhaltigen Teppich-Labels innerhalb eines Textil-Mittelständlers mitgenommen hat.

Mit einem Kaleidoskop an 15 Open Space Sessions, die mit Themen wie „New Work-(Same) Old Colleagues?“, „Führung & Selbstorganisation“, „Diskutiert ihr noch oder entscheidet ihr schon?“ oder „Neue Narrative für Neues Arbeiten“, die 850 m² des Impact Hubs mit Energie gefüllt haben.

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#VERBINDUNG

Was wohl die meisten zum Barcamp gerufen hat, ist die geteilte Sehnsucht nach Wandel in Wirtschaft und Arbeit. Ein Bedarf sich über Ansätze, Tools, Ideen auszutauschen. Haken dran.

Was uns darüber hinaus verbunden hat (unsere These ;)), war der Wunsch Wandel gemeinsam zu gestalten. Und ein Bewusstsein dafür, dass dies eine neue Art der Zusammenarbeit erfordert – sektorenübergreifender, tiefer, echter. Und dass sich diese am besten gemeinsam übt.

#TAKE AWAYS

Es gab also Momente, in denen eine neue Qualität des Miteinanders erlebt, New Work erfühlt, wurde. Und erleben wir etwas Neues, haben wir meist im selben Moment grundsätzlich etwas Neues verstanden. Das nimmt den Druck von der Frage „Was nehme ich mit“. Das Wesentliche ist schon geschehen.

Das passt gut zu unserer Essenz des Barcamps: Neues Arbeiten braucht v.a. ein neues Miteinandersein (wie Angelika uns erinnerte „wir sind Human BEINGS). So schließen wir an das Fazit des Impact Festivals „Das Wie liegt im WIR“ also an mit „Das WIE liegt im BE!“

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#STAY TUNED

„Ein lebendiger und verbundener Nachmittag, dessen schöne Stimmung (Fotoalbum) – nicht zuletzt in Form von Florians Trompetenschall – nachklingt.“ resümiert Miriam. „Wir haben Lust auf Runde #2 der Change Rebels Serie! Schreib uns gerne, wenn du auf den Verteiler und damit ein Save-the-Date möchtest“.

Miriam Wolf & Florian Dennig vom Alpensalon.

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#EinfachMalMachen #WegeStattLösungen #HeartMeetsMindset #Verbunden

Fotos: Anne Kaiser

Enabling People To Do Good. Diese Aufgabe begleitet uns vom Impact Hub Munich seit der Gründung im Jahr 2012, und wir sehen in der Kollaboration den Schlüssel für erfolgreiches Wirtschaften und eine enkeltaugliche Zukunft.

Dazu braucht es einen innovativen Raum, der zum Experimentieren einlädt. In diesem wurde 2017 erstmals ein „Impact Festival“ im Format einer Unconference abgehalten – und Purpose-driven Businesses in den Vordergrund gestellt. Ein Jahr später, von 11.-12. Oktober 2018, zoomten wir uns mit ca. 80 Changemaker in die Arbeitswelt der Zukunft.

Mit dem Format Unconference an den Rand der Komfortzone

Zurücklehnen und berieseln lassen? Nicht auf dem Impact Festival, an dem Teilnehmende wesentliche Mitgestalter*innen des Inhalts sind! Die rund 80 Changemaker haben sich mit ihrer Expertise und Perspektiven in Fragestellungen vertieft, die sie aktuell beschäftigen. Dreimal waren acht Unconference-Sessions gleichzeitig im Gange und haben die 850 m² Arbeitsraum mit Energie gefüllt. Dabei galt das „Gesetz der zwei Füße“, dem nach man sich dorthin bewegt, wo man am meisten lernen bzw. beitragen kann. „Konsequent im Neuen bleiben“ , „The Future of Organization“, „Kochbuch für ein gelingendes Miteinander“ oder auch „Was können wir von Künstlern lernen, wenn herkömmliche Maßnahmen nicht funktioniert haben?“ waren beispielsweise Titel der insgesamt 24 Sessions.

Durch diesen Rahmen und der Diversität der Teilnehmer*innen konnte sich in den Schnittstellen Potential entfalten – und am Ende jeder Session die Ergebnisse im Plenum zusammen getragen werden. Aber auch der Mut zur Lücke wurde belohnt – bei einer Tasse Kaffee abseits der Sessions wurden ebenso gelingende Beziehungen geknüpft!

 

„Das Zusammentreffen von Selbstständigen und Menschen aus Start-up‘s, Mittelstand sowie Konzernen ist stellenvertretend für den Alltag im Impact Hub Munich. Wir freuen uns, dies am Impact Festival zu verdichten und konkrete Möglichkeiten für den nächsten Schritt in Richtung New Work mitgeben zu können“ so Jakob Assmann, Mitunternehmer Impact Hub Munich.

 New Work-Impulse aus Wald, Backstube und Industrie

Aus äußerst unterschiedlichen Arbeitskontexten kamen auch die drei Impulsgeber*innen auf dem Festival zusammen. In sogenannten „Deepdives“ teilten sie ihre Expertise und Erfahrung und gaben überraschende Denkanstöße mit.

Welche Naturprinzipien Wälder erfolgreich machen, ließ uns Eva Ritter (Abteilungsleiterin Forst in Augsburg) wissen, um sie auf eine enkeltauglich gestaltete Wirtschaftswelt zu übertragen. Beispielsweise profitieren Bäume und Pilzen aus einer Symbiose gleichermaßen und stellen eine Metapher für gelingende Kooperationen dar. Die richtigen Ressourcen und einen nährenden Boden zur Verfügung zu stellen, ist die Grundlage und Begrenzung für Wachstum in der Natur als auch in Unternehmen.

Quasi direkt aus der Backstube stieß Katharina Mayer, Gründerin von Kuchentratsch, zum Impact Festival. Dank der ehemaligen Hubberin lag der Duft von köstlichem Kuchen wie aus Oma’s Küche in der Luft. Und mehr noch: Die gelebte Vielfalt in ihrem Social Business – von Studierenden bis hin zu Rentner*innen – regte an, den eigenen Beitrag zu mehr Diversität in unserer Gesellschaft zu überdenken.

Paul Habbel, ehemaliger Geschäftsführer der Gutmann Aluminium Draht (GAD) GmbH, zeigte auf, dass auch ein traditionelles liniengeführtes Industrieunternehmen den Schritt zu einer lernenden Organisation schaffen kann. Und brachte die Essenz des Impact Festivals auf den Punkt:

„die technikgetriebene Digitalisierung alleine bringt uns nicht weiter“.

Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen und ins Miteinander gehen – das WIE liegt also im WIR!


Impact Festival 2018 auf einen Blick:

Globale Herausforderungen gemeinsam lösen – das war der Grund die Agenda 2030 auf einem Gipfel der Vereinten Nationen im Jahr 2015 von allen Mitgliedsstaaten zu verabschieden. Diese 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind auch als SDGs (Sustainable Development Goals) bekannt – und sollen im Rahmen der Global Goals Week von 22.-29. September 2018 noch mehr ins Bewusstsein gerufen werden.

Dazu möchte auch Anja Rühlemann von WECF (Women Engage for a Common Future) beitragen. Das internationale Netzwerk ist mit über 100 Frauen-, Umwelt- und Gesundheitsorganisationen und Projekten in mehr als 40 Ländern an einer gesunden Umwelt für alle aktiv. Eine Interviewserie zu den nachhaltigen Entwicklungszielen hat Anja unter anderem in den Impact Hub Munich geführt, um Mitgründer Johann Schorr insbesondere zu SDG 8 und 9 – menschenwürdige Arbeit für alle fördern und Innovationen unterstützen – zu unterhalten. Dabei waren auch Chancengleichheit und die Bedeutung der SDGs im globalen Impact Hub Netzwerk Thema.

 

Durch Begegnungen gemeinsam die Zukunft gestalten

Sich trauen Dinge umzuformulieren und Menschen ins Zentrum zu stellen

Anja Rühlemann: Was hat dich dazu gebracht, das Impact Hub München zu gründen?

Johann Schorr: In meinem Designstudium ging ich dem Wunsch nach, die Schnittstelle zwischen Mensch und Wirtschaft zu gestalten. Sprich: den Mensch ins Zentrum unserer Gesellschaft zu setzen und Design nicht nur als verlängerte Werkbank der Wirtschaft zu sehen. Das habe ich in meinem Studium allerdings – abgesehen von meiner provokanten Abschlussarbeit zum Thema Social Design – nicht ausreichend finden können. Nach Jahren der Selbstständigkeit waren ein Austausch im Impact Hub Wien und das physische Erlebnis einer Arbeitswelt der Zukunft zentral für den Startschuss des Impact Hub Munichs.

Wie sieht eine ‚Arbeitswelt der Zukunft’ aus?

Ein deutlich kooperativeres Arbeiten und damit eingehend gelingende Beziehungen stehen in der Arbeitswelt der Zukunft im Zentrum. Wir sollen uns trauen, interdisziplinärer und überraschender zu arbeiten. Ziel ist es, ins gemeinsames Gestalten zu gehen, um sich mit der Lebensarbeitszeit am großen Gesellschaftsprojekt ‚Zukunft gestalten’ zu beteiligen.

Statistiken zeigen, dass sich bis zu 80% der Arbeitnehmer*innen nicht richtig mit ihrer Arbeit identifizieren können, d.h. sie gehen für Geld arbeiten. Und allein das spricht Bände über Auslöser von sozialen Schwierigkeiten und Gesellschaftsspaltung. Würde das auch passieren, wenn jede*r freier entscheiden könnte was er/sie macht?

Der Impact Hub Munich sieht sich als Rahmen- und Impulsgeber, damit Menschen mehr tun können was sie wirklich tun wollen, sie überraschende Schnittstellen mit anderen finden und daraus gelingende Beziehungen aufbauen. Dabei geht es um mehr als ums lose „Netzwerken“, sondern darum Verbindungen in einer Community der Vielfalt zu knüpfen, auf hohem Niveau zu experimentieren und schließlich Ergebnisse (wirtschaftlich) erfolgreich nach außen zu tragen.

Kann jede*r Mitglied werden?

Die Menschen und Unternehmungen, die zu uns ins Impact Hub kommen, sind sehr unterschiedlich. Die Voraussetzung dafür, dass sich unsere Member einen Mehrwert aus der Mitgliedschaft ziehen können, ist ein aufrichtiges Interesse an den zwei Kernbausteinen des Impact Hubs – kollaboratives Arbeiten und enkeltaugliches Wirtschaften. Ob man darin schon Champion ist und ein Unternehmen hat, dass das vorbildlich umsetzt oder ein Unternehmen, das das noch überhaupt nicht kann, oder als Selbstständige*r versucht, sich mehr damit zu beschäftigen, spielt gar keine große Rolle, denn ohne ein aufrichtiges Interesse an unseren Kernthemen wird es ein Arbeitsplatz ohne Verbindung sein. Die gemeinsame Wertebasis sehen wir als Grundlage für eine echte, funktionierende Community.

Gibt es ‚bestimmte Menschen’, die Interesse am Impact Hub und einer Mitgliedschaft zeigen?

Seit der Eröffnung 2012 gibt es immer wieder Tendenzen in unterschiedliche Richtungen, die sich auf natürliche Weise einpendeln. Zu Beginn ist es Frauen leichter gefallen, sich zu beteiligen, mittlerweile ist die Geschlechterverteilung sehr ausgeglichen. Auch die Kreativbranche war zu Beginn stärker vertreten – mittlerweile finden sich in der Community Menschen aus allen Branchen und Bereichen, u.a. Selbstständige, die ihr Profil umbauen und sich damit sinnstiftender orientieren möchten. Unser Impact Hub ist zwar stark auf Startups ausgerichtet, wird aber auch von Vertreter*innen von mittelständischen und größeren Unternehmen für Projektarbeiten in Teams genutzt.

Zusätzlich erreichen wir durch Veranstaltungen sehr unterschiedliche Menschen und schaffen damit einen Raum für gemeinsames Gestalten, unabhängig von thematischer oder sozialer Herkunft. Es braucht v.a. Offenheit neue Wege zu begehen, Ideen zu teilen, sich andere Ideen anzuhören und mitzuwirken sowie die Offenheit, sich an den Rand der Komfortzone zu begeben. Je größer die Diversität der Menschen, desto fruchtbarer schätzen wir die Möglichkeiten ein, dass anhaltende Unternehmungen entstehen, die das Potential haben im Kleinen oder Großen zu Veränderungen im Sinne des enkeltauglichen Wirtschaftens beizutragen.

Welche Transformationseffekte erzielt ihr?

Wir erleben, dass mehr Menschen dazu kommen, das zu tun, was sie wirklich tun wollen. Wenn man sich in mehr Vielfalt traut, überraschende Schnittstellen einplant und dem Wirtschaften eine ehrliche Chance gibt, können nachhaltige und kontinuierliche Veränderungen stattfinden.

Das Impact Hub-Netzwerk richtet sich stark darauf aus, Brückenschläge gelingen zu lassen und nicht in der eigenen Blase zu bleiben. Darum begeben wir uns auch in die uns umgebende Wirtschaft mit  Beratungsprogramme für (derzeit) mittelständische Unternehmen, die wir als Teil einer enkeltauglichen Wirtschaft sehen und die den Weg in die Zukunft suchen. Seit zwei Jahren arbeiten wir intensiv mit solchen Unternehmen und entwickeln Räume, die kollaborativ mit Leben gefüllt werden. Die Branche spielt dabei keine Rolle, denn wir kommen sehr stark aus dem WIE des Wirtschaftens, das Miteinander der Menschen, damit sich enkeltaugliches Wirtschaften durchsetzt und mehr Menschen das tun, was sie auch wirklich tun wollen.

Wie könnte das enkeltaugliche Wirtschaften mehr Anerkennung erhalten, z.B. durch mehr Förderungen?

Enkeltaugliches Wirtschaften kann nur aus der Summe vieler Teile entstehen – u.a. durch ein geeignetes Rechtssystem, Finanzierung, Arbeitskultur uvm. Aber wenn man davon ausgeht, dass jede(r) Interesse daran hat, erfolgreich zu sein, kann man bereits sehr viel durch die Veränderung der Zieldefinitionen tun. Denn Erfolg misst sich an der Zielsetzung, die Unternehmen, Gesellschaft und der Staat gestaltet. Mir hat bspw. ein Berater gezeigt, dass wir auch in der Buchhaltung gestalten können – angelegte Konten geben an, auf welche ‚Zahlen’ wir jeden Monat schauen, was Erfolge und Misserfolge für uns sind. Konten, die im Minus stehen, setzen negative Signale. Wenn man aber die Konten und Pakete anders einteilt oder manche Dinge gezielt gar nicht misst, weil es um andere Qualitäten geht, kann man Zielformulierungen gestalten und dadurch eine Kulturveränderung hervorrufen. Hier setzt die Gemeinwohlökonomie an, bei der es um mehr als die Profitabilität eines Unternehmens geht. In der Gemeinwohlökonomie werden auch andere Messgrößen wie der Umgang mit Mitarbeiter*innen miteinbezogen und das Unternehmen somit ganzheitlicher ausgerichtet.

Ist das SDG Rahmenwerk fürs Impact Hub nützlich?

Die SDGs ermöglichen es insbesondere auf globaler Ebene, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Mit den globalen Entwicklungszielen können die 105 Impact Hubs sowohl untereinander als auch nach außen aufzuzeigen, an welchen globalen Herausforderungen gearbeitet wird. Gerade in Kooperationen wie bspw. mit Konzernen ist diese ‚offizielle’ Sprache nützlich. Das Impact Hub-Netzwerk mit ca. 17.000 Members fühlt sich als globale Bewegung stark mit den SDGs verbunden. Wie in der Agenda 2030 werden in Form von Netzwerken und Plattformen Kräfte gebündelt, um eine Zukunft aufzubauen, in der Unternehmen und Profite zur Unterstützung von Menschen und Planeten beitragen anstatt auf ihren Kosten ‚Entwicklung’ hervorzurufen. Verschiedene Beiträge zum Enkeltauglichen Wirtschaften und der Umsetzung der Agenda 2030 lassen sich im Global Impact Report finden.

Gibt es bestimmte Förderungen, um Chancen- und Geschlechtergleichheit sicherzustellen?

Ich würde nicht sagen, dass bestimmte Gruppierungen besondere Förderungen bekommen, sondern dass die Themen aus verschiedensten Prozessen und Begegnungen vor Ort entstehen. Wir sind eher nach innen gerichtet, und betrachten das WIE des Wirtschaftens. Dabei sind wir ein Arbeitgeber, der möglichst viel Flexibilität bzgl. der Arbeitszeit und Arbeitsgestaltung mitbringt, außerdem bieten wir ein transparentes Gehaltssystem, bei dem Solidarität und eine geringe Gehaltsspreizung wichtige Grundpfeiler sind.

An einigen Stellen ist es wichtig, zu Chancen- und Geschlechtergleichheit aktiv zu sein und kann bspw. in großen Organisationen nötig sein, um überhaupt Veränderungen voranzubringen. Wenn man allerdings die Chance hat, etwas gleich neu anzugehen, sollte statt des Hervorhebens von Fördernotwendigkeiten vielmehr versucht werden, ‚Gleichheit’ selbstverständlich zu leben. Das gelingt nicht immer – wie ein Beispiel mit dem Ziel der Integration von Geflüchteten in die Organisation gezeigt hat. Wir konnten dabei dem Anspruch, den wir für die Integration dieser Menschen haben mit unseren offenen Strukturen als junges Unternehmen nicht gerecht werden.

Viele unserer Member widmen sich dem Thema Chancengleichheit, bspw. durch Flüchtlingsprojekte wie Social-Bee, einem Unternehmen, das Flüchtlinge in Unternehmen integriert. In unserem Investment Ready Program für Sozialunternehmer*innen durften wir das Social Catering Business „The Picha Project“ begleiten, das geflüchtete Familien in Malaysien eine Perspektive bietet – und am Ende des Programms sogar den Allianz Future Generations Award mit 40.000 EUR überreichen.

Welche Wünsche hast du für die Zukunft des Hubs?

Dass wir das was wir durch Entrepreneur- und Intrapreneurship-Programme heute für Wenige anbieten, bald mit unserem Know-how und einer ganzheitlichen Förderstruktur als Impact Hub für Viele leisten können.

Dass wir mit unseren Themen nicht nur mit Menschen in Städten ansprechen, sondern über die Stadtgrenzen hinausgehen und das ländliche Umfeld rund um München miteinbeziehen.

Dass wir weiterhin dranbleiben, die globale Vernetzung der Organisationen und Member zu stärken und wir unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und Kulturvielfältigkeit ein globales Netzwerk und Austausch ermöglichen.

Dass wir auf unserem diesjährigen Impact Festival zum Thema „NEW WORK“ einen vielfältigen und inerdisziplinären Austausch ermöglichen und jede*r von uns ein Stück zu der Arbeitswelt der Zukunft mit dem Menschen im Mittelpunkt beiträgt.

Mehr Infos zur Geschichte des Impact Hub Netzwerks findet ihr hier.


Vielen Dank für deinen Besuch, Anja! Wir hoffen gemeinsam mehr Bewusstsein für die Agenda 2030 zu schaffen und zu deren Umsetzung weiterhin beizutragen!

Am 21. März 2018 durften wir das Social Business Meetup wieder in unseren Hallen hosten. Und hatten dafür ein pikantes Thema parat: die Kluft zwischen Ideal und Realität. Mit „Social Business Confessions“ wollten wir Raum geben, sich über die Widersprüche des Sozialunternehmertums auszutauschen, über die oft verschämt geschwiegen wird. Denn: auch wir sind keine Übermenschen!

Wir wollen alle unseren Beitrag leisten, wollen mehr gut als schlecht machen, aber wo sind unsere Grenzen, wo müssen wir Kompromisse eingehen und wo sind wir einfach nur bequem und haben kein Bock auf Out-of-the-comfortzone?

In kleinen interaktiven Sessions haben wir uns dazu ausgetauscht und ehrlich unsere Gedanken und Erfahrungen geteilt. Es ist zum Teil vielleicht auch wild philosophisch geworden,-  vielleicht. Danke an alle ca. 50 aktiven Teilnehmer/innen, aber insbesondere an die mutigen Sozialunternehmer Stefan von Querfeld), Bene von Khala, Simon von Polarstern und Alex von forstory (am Foto v.l.n.r.), sowie Joscha (Impact Hub Munich), die vor der ganzen Crowd die Hose runtergelassen haben und low und deep shit geteilt haben.

Unser Fazit: „Jeden Tag ein bisschen besser“. Pragmatik vor Idealismus, insbesondere wenn es um das Überleben der eigenen Unternehmung geht (zB. aus Effizienzs- oder Qualitätsgründen). Gepaart mit einem „leaning towards“, einem inneres und äußeres Hinbewegen zu besseren, ganzheitlichen Lösungen. Und: „Döner muss auch mal sein.“ (O-Ton von Anonym) 😉


Wer nun auch Lust bekommen hat, sich aktiv einzubringen in die Social Business Community München, der schaut am besten in der entsprechenden Facebook-Gruppe vorbei. Hier gibt’s auch Updates über die nächsten Meetups (finden ungefähr alle zwei Monate statt, mit verschiedenen Organisation als Hosts)!

Nata y Limón means Cream & Lemon, and symbolically stands for the two founders of the social business: Marlene & Anne. We are excited they are part of our vibrant Hub-community AND gaining Marlene as speaker for the Impact Festival 2017! In occasion of their recently launched crowdfunding campaign #morethanapillow we couldn’t help but let them tell you more about what’s behind their inspiring project. Read on and also get inspired by listening to Nata y Limón at the Impact Festival sharing their expertise about crowdfunding!

Let’s make this more than pillow talk! #morethanapillow

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Nata Y Limón, that’s us: Marlene & Anne, that’s Munich and Berlin and that’s the many wonderful master weavers in Guatemala. We design handmade fabrics and lifestyle products together with indigenous artisans in the western highlands of Guatemala, where the old know how of textile weaving is still passed down from generation to generation.

We believe in true beauty inside out! And part of that beauty is appreciating who makes a product and how they benefit. So, our mission is to create beautifully designed, handmade fabrics that are beneficial to everyone. The art of traditional weaving is especially done by indigenous women in rural areas, but they are the most socially marginalized people in Guatemala. We want to make weaving a regular income source for them. Reaching a long-term improvement of their living situations through their traditional craft is what we are aiming for.

We work with three locally led cooperatives that work for the empowerment of indigenous communities. With partners like us they create economic opportunity through international market access. And as we want to leave the work where it is needed the most, we make sure that our fabrics are 100% made and sewn in Guatemala.

During the past 6 months, we designed and developed 5 fabrics and a new home & lifestyle collection consisting of pillows, bags and blankets. Together with our designer Georgina and 3 weaving cooperatives we created new designs based on the ancient Mayan textile tradition. We are very happy about the fusion of contemporary and traditional design and are now ready for our first production round. To fund all upcoming activities we are launching the collection through a crowdfunding campaign on Kickstarter. With the campaign name ‘#morethanapillow’ we want to show that every pillow, every fabric, every product has more to it than what you see from the outside.

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The campaign is running from September 19th to Oktober 20th 2017. You can support us, by pre-ordering one if our handmade products for yourself, as gift for someone special or if you forward the campaign link to your friends, family and colleagues. All products can be pre-ordered at a special crowdfunding price and most packages can only be offered in limited quantities. Also, there are great Early Birds. So be fast ;)!

P.S. Our #morethanapillow campaign video we partly filmed in the Impact Hub Berlin. Hope you like it ;).

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About us

We know each other from our Tourism Studies in 2005 and since then share the same motivation to work on something we care for. That is why we quit our jobs in 2015 to seek a life and work that is more purposeful. After working for different NGO’s and traveling Central America – the idea of Nata Y Limón was born. Also, born out of the passion for beautiful textiles. Our handwoven fabrics do not only reflect a beautiful combination of timeless & traditional design. They reflect indigenous culture and carry the heart, soul and personal story of people behind them. In Nata Y Limón we found a project that gets us excited, passionate and fills us up with energy in the mornings. The Impact Hub Berlin & Munich have been inspiring places for the setup of Nata Y Limón from day 1. We appreciate the opportunity a lot and are more than thankful for being part of this encouraging network of social entrepreneurs!

Learn more and follow Nata y Limón:

www.nataylimon.de

https://www.instagram.com/nata_y_limon/

https://www.facebook.com/nataylimon/

 

Was für eine Woche! Vom 14. bis 19. Mai fand die Berlin Week 2017 – das jährliche globale Impact Hub Treffen – statt und war dabei unterteilt in drei verschiedene ‚Gatherings‘: Das Global Strategy Retreat, das Maker’s Festival und Unlikely Allies. Ich werde euch am meisten vom Maker’s Festival erzählen.

Aber lasst uns zuerst die mysteriöse Frage beantworten: Was ist das Impact Hub und was macht es eigentlich?

Wir sind ein globales Netzwerk. Impact Hubs gibt es weltweit: Impact Hub Dublin, Impact Hub Dubai, Impact Hub …. Um einen Impact Hub aufzuziehen muss man sich bewerben. Ist die Bewerbung erfolgreich, bekommt man Starthilfe: Ein Mentoring, Zugang zum Netzwerk, etc – Gründen muss man aber selber (das haben Johann und Joscha vor 4 Jahren dann glücklicherweise auch getan 😉 ). Wie man die gemeinsamen Werte umsetzt bleibt dem jeweiligen Hub überlassen. Es gibt ein globales Team (auch Joscha zählt dazu), welches die Strategie ‚vorgibt‘ und die inzwischen wirklich große Community ‚managed‘ (102 Impact Hubs). Ziel des Impact Hubs ist es, Werte wie gemeinschaftliches und gemeinwohlorientiertes Arbeiten und Nachhaltigkeit zu verbreiten. Wir wollen die örtlichen Entrepreneurs bei ihren Projekten für eine ‚bessere‘ Welt unterstützen. ‚Besser‘ – das kann auch bedeuten Leute dabei zu unterstützen, das zu tun, was sie schon immer tun wollten, ihren Talente und Träume nachzugehen. In den Regionen in denen es den Menschen nicht so gut geht, finden wir es immens wichtig, Ideen aus der Bevölkerung zur Verbesserung der Situation lokal zu unterstützen. Beeindruckende Beispiele hierfür sind der Impact Hub Caracas oder Impact Hub Port-au-Prince. Die Unterstützung besteht im Kern aus dem Arbeitsplatz, der Infrastruktur, dann der Entwicklung von Förderprogrammen mit Partnern für die Member und Start Ups, Events, Community-buildung und das besagte große Netzwerk.

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Das große Netzwerk – über 102 Impact Hubs. Trotzdem hatte ich bis dato noch nie Kontakt zu einem anderen Hub gehabt – was vielleicht auch ein bisschen meinem Aufgabenbereich geschuldet ist. Also zurück zur Geschichte und ab nach Berlin.

Während Linda und Joscha bereits zum Strategie Retreat in Berlin waren, um besagte Strategie für 2018 zu entwickeln, sind Jakob, Johann, Konstanze, Amelie, Vroni und ich Mitte der Woche zum Makers Festival aufgebrochen – Das Festival für alle Maker (Impact Hub Angestellte) – und wurden herzlich in Empfang genommen.

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Beim Makers Festival ging es darum, zunächst einmal das Netzwerk kennenzulernen. Bei insgesamt 227 Makern, die da waren eine Herausforderung. Außerdem gab es mehrere Vorträge, wie zum Beispiel die Vorstellung des neuen HubNets (Wir starten bald in die Testversion!), Marketing-Workshops und die Unconference. Die Unconference ist eine spezielle Methode, die wir auch bei dem Impact Festival Munich einsetzen werden. Die Idee dahinter ist: Die Teilnehmer bestimmen den Inhalt. So kamen wir auf über 35 Themen und konnten uns gegenseitig austauschen. Zum Beispiel darüber wie Hosting in anderen Regionen abläuft.
Insider Tipp: Solltet ihr mal in Schottland sein, besucht das Impact Hub Inverness – sehr sympathische und lustige Menschen. 😉

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Was mich insgesamt zutiefst beeindruckt hat, war dieses globale Netzwerk zu sehen, und nicht mehr nur zu bewerben – und so ging es auch den anderen. Das Team von Global hat uns sehr gut aufgefangen und durch die Woche geleitet – nicht einfach bei so vielen Teilnehmern (oft fiel dieser Satz mit einem Augenzwinkern: ‚Wir haben Wachstumsschmerzen‘). Es herrschte eine sehr starke Energie, viele begeisterte Menschen alle mit der Frage: Wie können wir die Hub Experience noch besser machen, wie können wir uns selber noch besser vernetzen, was können wir voneinander lernen? Wie könnt ihr als Member noch besser von dem globalen Netzwerk profitieren? Eine große Hoffnung liegt im neuen HubNet aber auch diese persönliche Treffen sind so wahnsinnig wichtig. Im nächsten Jahr wird wieder ein anderer Hub das Global Gathering ausrichten und wir werden wahrscheinlich nicht alle dabei sein können.

Deswegen haben wir uns entschlossen das Impact Festival für München zu veranstalten. Ein Festival für Member und uns Maker. Zum sich treffen, sich austauschen und miteinander arbeiten. Wir freuen uns ganz besonders auch ein Stück globales Netzwerk mitzubringen: wir laden Maker und Member aus der DACH Region ein, mitzumachen! Ein Großteil des Events dreht sich um die Unconference, also eure Themen.

Aber zurück nach Berlin: Nach zwei intensiven Tagen mit einer schönen Abschlussparty ging es auch schon wieder heim für uns. Viele von uns haben sich vernetzt, Ansprech- und Austauschpartner gewonnen, Schlaf verloren, dafür Eindrücke gewonnen. Ich bin sehr froh mitgekommen zu sein und hoffe ich konnte euch mit diesem Text unsere Arbeit und auch die Welt des Impact Hubs näher bringen.

Was ich euch noch auf den Weg geben möchte: Nutzt eure global Membership und den Passport! Bis zu drei Tage (und danach nach Absprache) könnt ihr in einem anderen Hub verbringen.

Alles Liebe,

Julia

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PS.: falls ihr noch mehr lesen wollt, das hat übrigens Impact Hub Ruhr zur Berlin Week geschrieben. (Der vierte Hub in Deutschland!)

Anselm Bilgri ist ein gefragter Vortragsredner im gesamten deutschen Sprachgebiet. Sein Themenspektrum reicht von der Werteorientierung zu aktuellen Fragestellungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Er ist tätig als Berater für Unternehmenskultur und Autor mehrer Bestseller. Dreißig Jahre war er vorher Benediktinermönch gewesen, u.a. Wirtschaftsleiter und Prior von Kloster Andechs in Oberbayern, das er zu einem auch ökonomisch erfolgreichen spirituellen Zentrum mit weltweitem Ruf geformt hat. Nachdem er den Orden verlassen hatte, gründete er das Anselm Bilgri Zentrum für Unternehmenskultur.

Hier könnt ihr euch sein Interview mit Mitunternehmer und Mitgründer Johann Schorr vom Impact Hub München in voller Länge durchlesen:

 

Impulsgeber für Herzensangelegenheiten

Die Gründer des Münchner Impact HUBs verstehen sich gleichermaßen als Unternehmer wie als soziale Akteure.

Unternehmerische Lösungen für gesellschaftliche Aufgaben entwickeln. Einen inspirierenden Raum schaffen und Menschen mit den gleichen Zielen und Werten versammeln. Zukunft experimentieren. Das will der Impact HUB München. Er ist gleichzeitig Coworking Space, Startup-Plattform und Inkubator für Social Entrepreneurship. Das Netzwerk hat inzwischen über 90 Standorte weltweit mit gut 15 000 Mitglieder. Anselm Bilgri hat mit Johann Schorr, einem der beiden Gründer, über gelebte Werte-Orientierung gesprochen.

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Anselm Bilgri: Was genau macht ein Impact HUB?

Johann Schorr: Wir verstehen uns als Rahmen- und Impulsgeber für Menschen, die wieder mehr das tun, was sie wirklich tun wollen. Menschen, die ihre Herzensangelegenheit zum Beruf machen, um die Welt ein Stück weiter zu bringen. Dafür bieten wir ihnen einen Rahmen in Form von Infrastruktur, Impulsen durch diverse Veranstaltungen, Methoden und Prozesse, bis hin zu Start-up-Förderungen und Knowhow-Transfer in etablierte Unternehmen. Inhaltlich wollen wir dabei auch Kante zeigen: Unsere beiden zentralen Punkte sind: enkeltaugliches Wirtschaften und kooperatives Arbeiten. Wir wollen die impuls- und rahmengebenden Strukturen weiter aufbauen und zwar unabhängig von irgendwelchen Fremdgeldern.

AB: Unternehmertum und Wertorientierung bedingen also einander?

Johann Schorr: Ich verstehe Werteorientierung in erster Linie als Orientierung an einer Grundhaltung, aus der heraus ich Unternehmertum denke. Wir werden viele gesellschaftliche Probleme nur lösen, wenn wir auch unternehmerisch an sie herangehen. Zum anderen wird meine Generation im Wirtschafts- und Berufsleben mit zahlreichen Verteilungsschwierigkeiten und veralteten Rahmenbedingungen konfrontiert. Dem wollen wir ganz bewusst begegnen. Daher sind für uns Werte wie Vielfalt, Offenheit, Transparenz und auch Fairness die Grundlage unternehmerischen Handelns.

Vom Ich zum Wir von „Arbeit für Geld“ zu „Arbeiten für Andere“.

AB: Was meinen Sie mit „veralteten Rahmenbedingungen“?

Wenn man sieht, dass heute fast 70% der Arbeitnehmer sich nicht richtig mit dem identifizieren können, was sie täglich tun – also in was sie ihre Lebensarbeitsenergie stecken, dann kann etwas grundlegend nicht stimmen. Wir müssen davon weg kommen für Geld arbeiten zu gehen und ich beobachte, dass vor allem die gesetzten Rahmenbedingungen durch unsere derzeitigen gesetzlichen- also gesellschaftlichen Absprachen genau diese Art Wirtschaft zu denken maximal bevorzugt. Wenn es uns durch das erlebbar machen von Alternativen gelingt die Rahmenbedingungen zu verändern, hin zu enkeltauglichem Wirtschaften und kooperativen Arbeiten, sind wir einen Schritt weiter. Vom Ich zum Wir von „Arbeit für Geld“ zu „Arbeiten für Andere“.

AB: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Impact HUB zu gründen?

J: Wir sind der Überzeugung, dass unsere Welt unternehmerische Lösungen braucht, die einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Und wir glauben, dass wir das nur schaffen, wenn wir uns zusammentun. Wenn wir Menschen um uns haben, die uns inspirieren und gleichgerichtete Ziele haben. Wer es ernst meint, muss konkret werden, gestalten. Das war schon immer unser Gefühl: Joscha hat nach seinem Bachelor an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen bei Telefonica im Big Think Programm gearbeitet und dort viele Jugendprojekte betreut. Ich bin Waldorfschüler und habe dann Design studiert. Ich wollte an einer Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis arbeiten, an der Zukunft gestaltet wird. Im Studium habe ich diese Schnittstelle nicht gefunden. Aus dieser Enttäuschung heraus habe ich mit einem Freund einen etwas radikaleren Vorschlag für das, was wir unter Design verstehen wollten, verfasst. Daraus ist dann die Erkenntnis gewachsen, dass das, was ich suche, etwas mit Social Entrepreneurship zu tun hat. Ich war einige Zeit in Indien und sah dort bei den vielen Gründern, die unter schwierigsten Bedingungen gestartet sind, was verantwortungsvolles Gestalten bedeutet. Das hat mich bewogen, mich mit dem Thema Wirtschaften und Unternehmertum zu beschäftigen. Nach ein paar selbständigen Arbeiten in verschiedenen Projekten haben Joscha und ich uns gesagt: okay, lass uns den HUB für München machen.

Unsere gemeinsamen Werte für unser Unternehmung sind: Vielfalt, Offenheit, Respekt und Mut.

AB: Das Thema Wertorientierung stand für Sie also vor der Gründung des HUBs, nicht anders herum?

J: Genau, über dieses Thema haben Joscha und ich uns kennengelernt. Übrigens erst ein paar Monate vor Gründung des HUB. Jeder von uns hatte sich viel mit alternativen Wirtschaftsformen beschäftigt. Social Business, Social Entrepreneurship, der Ehrbare Kaufmann und die Gemeinwohlökonomie das sind die Stichworte dazu. Wir haben von Anfang an unsere gemeinsamen Werte für unser Unternehmen definiert: Vielfalt, Offenheit, Respekt und Mut. Der Kernsatz, der uns leitet, heißt. „enable people to do good. “ Wir versuchen, uns vor jeder Entscheidung neu darauf zurück zu besinnen.

AB: Der Münchner HUB ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk. Was ist das Verbindende zwischen den verschiedenen Standorten?

J: Das HUB-Netzwerk ist so etwas wie ein Social Franchise-System. Es gibt mittlerweile über 90 Standorte weltweit. Mit mehr als 15 000 Members, so nennen wir unsere Kunden. Für den Markennamen gibt es eine bestimmte Umsatzabgabe, damit werden gemeinsam definierte Dinge auf globaler Ebene entwickelt und umgesetzt. Das verbindende Element ist neben der sozialen Wertorientierung und dem Prinzip des kooperativen kreativen Arbeitens ein globaler Verein, in dem jeder HUB-Betreiber eine Stimme hat. Dieser Verein lenkt eine GmbH, die sich etwa um IT-Themen wie ein gemeinsames Websitetemplate und Partnerschaften kümmert. Wir treffen uns einmal im Jahr für ein paar Tage, tauschen Best Practice Beispiele aus und entwickeln unsere „Theory of change“ immer weiter. Uns alle treibt die Frage um, wie können wir mit unserem Netzwerk beitragen zu einer wirklichen Veränderung auf der Welt, einer Zukunft, die unseren Enkeln dient, und wie können wir das mit gemeinwohlorientiertem Entrepreneurship erreichen.

AB: Wie wird diese gemeinsame Idee heruntergebrochen auf die einzelnen Standorte?

J:. Wir haben an jedem HUB-Standort ein Unternehmerteam, das die übergeordneten Standards reflektiert, bei der Umsetzung aber sehr viel Freiraum hat. Zum Beispiel gibt es HUBs in unterschiedlichsten Rechtsformen. Die HUBs stellen sich auch inhaltlich verschieden dar, je nachdem welche Schwerpunkte sie definieren. Überall gibt es aber einen Raum und eine Community. Die einen legen mehr Gewicht auf alternatives Wirtschaften andere auf kooperatives Arbeiten, also neue Arbeitsformen. Es gibt auch sehr verschiedene Größenordnungen von 150 bis zu 5000 Quadratmetern Fläche. Das alles klingt sehr unterschiedlich, aber gleichzeitig sind die gelebten Werte überall dieselben.

AB: Wie viele Mitarbeiter arbeiten derzeit für den Impact HUB in München?

J: Wir sind in unserem Team im Moment 14 Menschen. Die Community, das sind 200 bis 250 Members, die hierher zum Arbeiten kommen und viele Schnittstellen entdecken.

AB: Wer kümmert sich im HUB darum, dass die Werte auch transparent sind und tatsächlich gelebt werden?

J: Das sind sicher zunächst der Joscha und ich, die das Thema kontinuierlich auf den Tisch bringen. Doch letztendlich leben wir alle gemeinsam die Werte, die uns wichtig sind: die Mitarbeiter und die Members. Viele Hinweise kommen aus der Community. Dadurch verbinden die Werte grundsätzlich alle im HUB. Zum Ausdruck bringen wir unsere Werteorientierung durch die Erstellung einer Gemeinwohlbilanz, die dafür ein schönes Werkzeug ist.

Unsere Mission ist: „enabling people to do good“.

AB: Wie leben Sie die Werteorientierung im Alltag des HUBs?

J: Wir versuchen, als Team zu leben, dass Nachhaltigkeit in jeder Hinsicht nicht etwas Besonderes, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Ich habe das Gefühl, dass diese Einstellung sich bei denen, die neu hinzu kommen schnell von einem auf den anderen überträgt. Aber es sollte auch die Freiheit herrschen, dass jeder so denken und handeln kann, wie er es versteht. Sollten Dinge passieren, die unseren Werten entgegenstehen, sprechen, wir das direkt an und versuchen präzise Rückmeldung zu geben. Im letzten gilt auch im internen Bereich: „enabling people to do good“.

AB: Gab es schon mal Probleme, dass Sie sich von jemanden trennen mussten?

J: Verschiedene Menschen haben verschieden Zugänge zu Werten. Es gibt Menschen, die finden unsere Herangehensweise spannend und andere, die keinen Anschluss dazu finden. Solche Situationen gab es auch schon bei uns. Bei einer klaren Ausrichtung an seinen Werten findet man schnell heraus, wer zu einem passt oder nicht. Das muss man dann auch klar kommunizieren.

AB: Dass Werteorientierung im HUB das Fundament des Unternehmens ist, ist eigentlich offensichtlich.. Dann sollten eigentlich nur Mitarbeiter zu Ihnen kommen, die passen, oder?

J: Wer sich für uns interessiert, erlebt recht schnell, was uns ausmacht. Wir versuchen die Themen Werte und Nachhaltigkeit schon äußerlich zu vermitteln, wenn man zum Beispiel sieht, dass unsere Räume mit Lehm und Holz gebaut sind. Das weckt einen schon beim ersten hereinkommen auf. Wem das nicht gefällt, der wird sich hier nicht wohlfühlen und arbeiten wollen. Aus den Rückmeldungen der Mitarbeiter sehen wir, dass unsere Werteorientierung das tragende Element darstellt. Andererseits wissen wir, dass viele Aspekte des HUBs erst mit der Zeit sichtbar und erlebbar werden für den Einzelnen. Selbst mir geht es so, dass ich den HUB in all seinen Funktionen und Wirkungen noch nicht zur Gänze verstanden habe. Oft laufen Dinge anders als anfangs gedacht. Man erkennt den roten Faden erst im Nachhinein, was sehr viel mit unseren Wertvorstellungen zu tun hat: der Prozess ist das eigentlich Spannende.

Das Verhältnis zwischen Ökonomie und Werteorientierung muss ständig ausbalanciert werden.

AB: Als Unternehmen müssen Sie Gewinn erwirtschaften. Wie verhalten sich Werteorientierung und ökonomischer Erfolg zueinander?

J: Für mich ist es überhaupt kein Widerspruch, dass ein soziales Unternehmen auch erfolgreich wirtschaften kann. Die Frage ist doch: Wie misst man Erfolg? Es gilt das Verhältnis zwischen Ökonomie und Werteorientierung ständig auszubalancieren. Wir laufen tendentiell eher Gefahr, zu viel für Engagement- auszugeben. Doch der Impact HUB hat ein Modell gefunden, bei dem das, was erwirtschaftet wird, auf alle die aktiv daran beteiligt waren, verteilt wird. Per Satzung ist es nicht möglich, dass ein Gesellschafter, mehr als das, was er als Startkapital eingebracht hat, wieder herausbekommt. Also ist Spekulation ausgeschlossen. Kleine Gewinne sind das Ziel für eine stabile Unternehmung. Das Geld, das erwirtschaftet wird, steht all denen zur Verfügung, die dafür aktiv arbeiten, den Mitarbeitern, der Geschäftsführung in verschiedener Höhe, aber transparent geregelt. Jeder soll nach Möglichkeit das Auskommen haben, was er braucht, um glücklich zu leben.

Dass wir uns mit den Werten so intensiv beschäftigt haben, ist das beste Investment, das wir machen konnten.

AB: Hatten Sie seit der Gründung auch schon mal kritische Situationen und wie haben Ihnen da die Unternehmenswerte geholfen?

J: Ja schon gleich am Anfang war es kritisch. Bevor wir die Immobilie gefunden haben, hatten wir eine Community aufgebaut. Von diesen hundert Menschen sind damals nur wenige mit in die Räumlichkeiten eingezogen. Aus ganz verschiedenen Gründen, für uns auf jeden Fall sehr überraschend. Und ja, gerade die Werte haben uns über diese Krise am Start geholfen. Unser Wertegerüst war klar, und das wollten wir verwirklichen. Das war uns wichtiger, als gleich Geld zu verdienen. In schwierigen Momenten ist man ja immer versucht, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Die Klarheit, die man durch Werte ausdrücken kann, hilft einem in den Momenten sich selbst und der Sache gegenüber unbestechlich zu bleiben. Dass wir uns mit den Werten so intensiv beschäftigt haben, ist das beste Investment, das wir machen konnten.

Interview: Anselm Bilgri

Redaktion: Markus Achter, Gerd Henghuber

Alles fängt an mit einer Studenteninitiative. Ein Projekt, das nach dem Vorbild der weit verbreiteten Techie-Meetups, Menschen zusammenbringen soll, die sich für das Thema „Social Business“ begeistern. Unternehmer, Förderer, Enthusiasten. Das Projekt gelingt, die Nachfrage ist da.  Es kommen um die 80 Leute zusammen, sie haben richtig Spaß und die Initiatoren haben Studienpunkte gut gemacht. „Eigentlich müsste es das öfters geben.“ denkt sich eine Handvoll Teilnehmer und gewinnen für ein erstes Planungstreffen 8 Begeisterte, die Lust haben auf mehr. Es soll sich spielerisch entwickeln, darf ein Experiment sein, bei dem ausprobiert werden soll. Kostenlos und offen für alle, ein Communityprojekt und kein Produkt. Ziel ist, dass jeder, der drei Meetups besucht hat, mindestens 80 % der Szene direkt oder indirekt kennt. Nach dem Staffelstabprinzip hat immer einer den Hut auf und kümmert sich um die Ausgestaltung des Abends.

Den Anfang macht Linda vom Impact Hub München und stellt den Abend dazu passend unter das Motto „Co-Creation“. Nach einer kurzen Aufwärm- und Kennenlernphase, (bei der unter anderem klar wird, dass mehr Lakritzverächter als Lakritzfreunde vertreten sind 🙂 ) stellen 11 Tablehosts in jeweils 45 Sekunden ihr Projekt vor. Es wird auch jeweils eine Frage bzw. ein Anliegen formuliert, das in den anschließenden Co-Creation-Sessions bearbeitet werden soll. 30 Minuten Zeit haben die Tablehosts von der geballten Kreativität der Teilnehmer zu profitieren, neue Impulse und Ideen zu bekommen und Antworten zu finden. Ist die Zeit rum, werden die Plätze gewechselt und die Teilnehmer haben weitere 30 Minuten Zeit sich ein neues Projekt zu suchen und in einen neuen kreativen Austauschprozess einzutauchen. Dieses Format hat den Vorteil, dass alle Teilnehmer gefragt sind, den Abend aktiv mitzugestalten. Jeder bringt seinen ureigenen Backround mit, seine Sicht, Verknüpfungen, Ideen und damit wird jede Session einzigartig und bereichernd. Nicht nur für den Tablehost und Fragesteller, sondern für jeden der mit am Tisch sitzt.

Das Feedback ist entsprechend positiv, man bedankt sich für diese Möglichkeit, die guten Gespräche, die tollen Leute und die neuen Kontakte. Am Ende des Abends übergibt Linda den Staffelstab an Max von Social Bee, der sich mit dem bestehenden Team und schon ein paar neuen Mitstreitern Gedanken um die Ausgestaltung des nächsten Meetups macht. Das wird sehr wahrscheinlich anders werden, aber bestimmt wieder großartig.


Das waren die Tablehosts:

#1 Tara Mc Cartney (Fairfactia)

#2 Tina Teucher (Sustainable Matchmaker)

#3 Damian Fuller (Escape the City)

#4 Federica Ferracini (Flexible Working Academy)

#5 Jin-Ju Jahns (Social Impact Recruiting)

#6 Michael Heider (Project Together)

#7 Alka Celic (Place2help)

#8 Stefanie von Jahn (Global Match)

#9 Tomoko Kobayashi (Table for Two)

#10 Jakob Assmann, David Bremond, Marlene Walter (alle Impact Hub) mit den Wegbereitern

#11 Karim Tarraf (Hawa Dawa)

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Author

Konstanze
Communication @ Impact Hub Munich